Es ist eine Beobachtung, die sich natürlich nur auf meine Yoga-Bubble und die Accounts und Lehrer:innen beziehen kann, denen ich auf Social Media folge.
Es ist eine Beobachtung, die ich begrüße. Und eine, die ich nicht ignorieren kann. Denn lange war ich mit meinem Ansatz, dass Yoga Asana eine Form von Krafttraining als Ergänzung und Unterstützung braucht, gefühlt ziemlich alleine.
Was ich seit ein paar Monaten beobachte:
Menschen, die jahrelang – zumindest in der Öffentlichkeit, in ihren Instagram-Posts und ihren TTCs (also Yogalehrerausbildungen) – der Meinung waren, dass es genug ist, eine herausfordernde Asana Praxis zu haben, um den Körper vorzubereiten – und zwar auf alles, nicht nur auf Atemübungen, sondern auch auf den Alltag, diese Menschen sehe ich nun in Reels plötzlich von Kraftübungen sprechen, die sie einbauen, um in ihrer Yogapraxis stärker zu werden.
Ich begrüße die – zumindest so wie ich es sehe – neue Entwicklung, dass auch erfahrene und langjährige Teacher Trainer endlich einsehen, dass Yoga Asana im Kontext gesunder Bewegung nicht alles ist und sein kann.
Denn dass Yoga Asana eine nicht ganz ausgewogene Bewegungsform ist, wurde in meinen Augen in der bisherigen Kommunikation gerne (bewusst?) ignoriert oder schön geredet. Dass Yogaübenden ganz oft Stabilität fehlt, und dass die schon käme mit ausreichend Praxis, wurde dabei geflissentlich übersehen und unterschätzt.
Gesunde Bewegung besteht aus sechs Aspekten. Schauen wir doch mal, in wie weit diese in der Asana Praxis berücksichtigt werden:
Flexibilität
– ja, sicherlich der Punkt, der am meisten von einer regelmäßigen Asana Praxis profitiert und sich beinahe automatisch weiterentwickelt.
Elastizität
– ja, wenn entsprechende Übungen in die Yogapraxis eingebaut werden. Meine erste Berührung mit solchen Übungen fühlte sich gar nicht so sehr nach Yoga an und auch, wenn ich heute solche Bewegungsmuster unterrichte, sehe ich in den Augen der Teilnehmenden denselben Zweifel. Das zeigt mir aber auch: Elastizität und damit verbundene Übungen haben noch nicht den Weg in die Asana Praxis gefunden.
Entspannung
– ja, sicher, ein ganz großer Teil der Yoga Asana Praxis läuft genau auf diesen Aspekt hinaus. Und spätestens in savasana, der letzten Pose einer Stunde, darf die Entspannung dann auch spürbar einsetzen.
Koordination
– ja, zum Teil, wenn Asanas geübt werden, die erfordern, dass Arme und Beine unterschiedliche Dinge tun, sich in unterschiedlichen Ebenen oder unabhängig voneinander bewegen, oder wenn sehr anspruchsvolle Flows geübt werden, in denen die Übergänge zwischen den einzelnen Posen viel koordinative Arbeit erfordern.
Aber was ist mit Kraft?
Was ist mit Ausdauer?
Kraft und Ausdauer werden oft nur einseitig oder bezogen auf den Flow geübt.
Kraft wird oft nur in den Asanas gewonnen, die wieder und wieder vorkommen – hoffentlich. Denn wenn man diese Posen, ich denke da an chaturanga oder an den herabschauenden Hund, immer und immer wieder falsch ausführt, werden sich höchstwahrscheinlich Überlastungserscheinungen oder Verletzungen einstellen. Glaubt mir, auch ich kann davon ein Lied singen.
Und auch Ausdauer wird häufig nur dahingehend bewertet, dass man einen anstrengenden Flow mit vielen Vinyasas (dem Ablauf aus chaturanga, heraufschauender und herabschauender Hund) gut durchhält, ohne dabei außer Atem zu sein oder zu sehr ins Schwitzen zu geraten.
Was dabei zu kurz kommt: Kraft in anderen als den geübten Bewegungsformen, kaum Übertrag auf Alltagsbewegungen, Herz-Kreislauf-Fitness und Cardiobelastungen sowohl über lange Ausdauerstrecken als auch kurzfristige Spitzen.
Deshalb ist es wichtig, neben unterstützenden Übungen für die Yogapraxis auch solche in seinen Bewegungsalltag zu integrieren, die Gegenspieler aktivieren und Gegenbewegungen stärken. Und solche, die ganz anderes vom Körper fordern, um ganzheitlich gesunde Bewegung zu praktizieren.
Wie siehst du das? Yoga Asana und Krafttraining als sinnvolle Ergänzungen oder lieber nur das eine oder das andere?
