Das fragte mich ein Teilnehmer einer meiner Yoga-Klassen. Ich glaube, er war zum ersten Mal da und hatte wahrscheinlich bisher noch nicht viele Berührungspunkte mit Yoga Asana gemacht. Ich muss ihn fragend angesehen haben, denn er sprach weiter:
„Geht es darum, dass der Rücken möglichst gerade ist? Oder darum, dass die Beine durchgestreckt sind?“
Meine Antwort lautete: „Weder, noch.“

Eine unbefriedigende Antwort für alle, die in Yoga nur die Posen sehen. Ich weiß.
Deshalb sprach auch ich weiter:
„Es geht um Stabilität. Darum, dass du eine Position findest, in der du dich wie ein stabiles Dreieck fühlst. Eine Position, die dich mit Händen und Füßen feste mit dem Boden verbindet, und die dir das Gefühl gibt, dein Gewicht gleichmäßig auf alle Kontaktpunkte mit dem Boden zu verteilen. Es geht um Ausgeglichenheit, Balance und das erdende Gefühl in dir, stabil verankert zu sein.“
Von außen betrachtet sieht der herabschauende Hund ein bisschen aus wie ein Dreieck. Und das finde ich extrem passend, denn das Dreieck ist die stabilste geometrische Form. Das liegt daran, dass es seine Form hält und nicht verzogen oder verschoben werden kann (ein Quadrat kann man zum Beispiel verschieben, dann wird es zu einem Parallelogramm).
In der Architektur nutzt man deshalb Dreiecke, um Strukturen zu stabilisieren – zum Beispiel bei Brücken oder Gerüsten. Achte mal drauf, wenn du das das nächste Mal siehst ;)
Im Yoga bauen wir mit unserem Körper auch oft dreieckige Strukturen, wie eben im herabschauenden Hund, oder in der Beinposition von Krieger 1 und Krieger 2. Denn das gibt Stabilität, Erdung und Sicherheit.
Solche Positionen fühlen sich kraftvoll an und klar. Und meist erlauben sie, dass man sich nicht nur stark fühlt, sondern auch Raum einnimmt. Und in diesem Raum kann der Atem freier fließen.
Und ist eine Asana nicht dann perfekt, wenn der Atem frei fließen kann? Wenn die Energie frei fließen kann?
Zumindest sehe ich den Atem als Indikator dafür, ob eine Pose richtig ausgeführt wird. Wenn man die Luft anhalten muss oder der Atem angestrengt und stoßweise geht, dann ist die Pose nicht stabil und ausgeglichen. Yoga Asana kann anstrengend sein, aber sie sollte nicht dazu führen, dass du dich hinterher ausgelaugt fühlst.
Manchmal sagen Yogalehrende sowas wie „Gönn dir eine Pause im herabschauenden Hund“, dabei ist die Pose alles andere als eine Pause – zumindest rein körperlich betrachtet.
Was sie meinen ist der energetische Reset, den diese Haltung bieten kann.
Denn energetisch gesehen ist der herabschauende Hund eine Umkehrhaltung. Das heißt, das Herz ist räumlich über dem Kopf. Umkehrhaltungen können beruhigend auf das Nervensystem wirken. Der herabschauende Hund ist also eine kurze Pause im Flow, um sich innerlich zu sammeln und bei sich selbst anzukommen, sich zu stabilisieren und zu erden.
Also wenn du mich das nächste Mal fragst, worum es im herabschauenden Hund geht, dann kennst du jetzt meine Antwort darauf.
Du willst den herabschauenden Hund und den Sonnengruß noch mal ganz neu erleben?
Genau dazu gebe ich einen Workshop:
Sun Salutation – Deconstructed.
Ein Back to Basics-Workshop für alle, die den Sonnengruß ganz neu erleben wollen.
Samstag, 14. Juni 2025
14-17 Uhr
Ziel ist es, Varianten des Sonnengrußes zu erlernen, die für den eigenen Körper funktionieren – und das, ohne Überlastungserscheinungen oder Schulterschmerzen. Wir gucken uns genau an, wie herabschauender Hund, heraufschauender Hund und chaturanga vorbereitet und durchgeführt werden können.
Für diesen Workshop ist keine Praxiserfahrung notwendig. Aber auch, wer schon lange Yoga Asana übt, kann den eigenen Sonnengruß hier noch einmal ganz neu erleben.
Early bird (bis 1. Mai): 45 Euro
Danach 50 Euro.
Bei The Vinyasa People, Kaiserstr. 1a, 53113 Bonn
