20 Minuten meditieren? Das erscheint dir zu lang?
Im letzten Yoga-Retreat, das ich besucht habe, haben wir jeden Morgen mit 20 Minuten Meditation begonnen. Und ja, das ist gar nicht so einfach.
Viele Menschen, besonders solche, die wenig bis gar nicht meditieren, denken, es geht in der Meditation darum, GAR NICHTS zu denken und den Kopf komplett zu leeren.
Wenn man die Yoga Sutras liest, findet man zum Thema Meditation, dass es dabei darum geht, zu üben, die Gedanken oder den Geist auf eine Sache, einen Gedanken, einen Fokuspunkt zu fixieren. Und damit zu sitzen. Ohne sich von außen von diesem Fokuspunkt ablenken zu lassen.
Meine Meditationspraxis ist in letzter Zeit vor allem eins: Ein Indikator dafür, wie viele Gedanken durch meinen Kopf schwirren, und dass es mir schwer fällt, mich auf einen zu fokussieren.
Und um dir das mal vor Augen zu führen, habe ich hier mal aufgeschrieben, wie eine meiner Meditationen der letzten Woche abgelaufen ist.
Eins ein. Ok. Zwanzig Minuten meditieren. Das bekomme ich hin. Aber darf ich mich bewegen? Darf ich machen, was ich will?
Eins aus.
Zwei ein. Ich zähle einfach meine Atemzüge. Dann habe ich etwas to focus on. Ob ich meine Finger zum Zählen benutzen darf?
Zwei aus.
Drei ein. Ich versuche es mal ohne Finger. Größere Challenge.
Drei aus.
Vier ein. Ob ich so weit überhaupt zählen kann? Ich zähle doch sonst oft nur bis zwölf.
Vier aus.
Fünf ein. Ich kriege das hin.
Fünf aus.
Sechs ein.
Sechs aus.
Sieben ein. Ist schon ein bisschen frisch hier draußen. Sieben aus.
Acht ein. Ich sei so fotogen, hat sie gesagt. Habe ich mich bedankt? Hätte ich mich bedanken sollen?
Acht aus.
Neun ein.
Dieses Social Media lenkt wirklich ab. Zu viel Zeit, die man besser verbringen könnte.
Neun aus.
Zehn ein. Aber dann macht das ja auch Spaß. Stecke ich da zu viel Zeit rein?
Zehn aus.
Elf ein. Wie viele Atemzüge ich wohl in 20 Minuten mache? Vier bis fünf pro Minute? Also so an die hundert?
Elf aus.
Zwölf ein.
Zwölf aus.
Dreizehn ein.
Dreizehn aus.
Vierzehn ein. Der Hund schüttelt sich.
Vierzehn aus.
Fünfzehn ein.
Fünfzehn aus.
Sechzehn ein. Mein Bauch grummelt. Bitte, ich will nicht die sein, die pupst.
Sechzehn aus.
Siebzehn ein.
Siebzehn aus.
Achtzehn ein.
Achtzehn aus.
Neunzehn ein.
Neunzehn aus.
Zwanzig ein. Ja, die Schulter zwickt ein bisschen. Fremde Matratze. Nicht verkrampfen im oberen Rücken.
Zwanzig aus.
Einundzwanzig ein. Puh, überhaupt ist der Nacken ganz schön fest.
Einundzwanzig aus.
Zweiundzwanzig ein.
Zweiundzwanzig aus.
Dreiundzwanzig ein. Der Hund hat genießt. Genossen? Gesundheit!
Dreiundzwanzig aus.
Vierundzwanzig ein. Irgendwie ist das witzig absurd. Daraus könnte ich richtig gut einen Text übers Meditieren machen.
Vierundzwanzig aus.
Fünfundzwanzig ein. Um zu zeigen, wie schwer es ist, fokussiert zu bleiben.
Fünfundzwanzig aus.
Sechsundzwanzig ein. Das fällt mir in letzter Zeit echt schwer. Nicht erst heute.
Sechsundzwanzig aus.
Siebenundzwanzig ein.
Siebenundzwanzig aus.
Achtundzwanzig ein.
Achtundzwanzig aus.
Neunundzwanzig ein.
Neunundzwanzig aus.
Dreißig ein. Im Moment bleiben.
Dreißig aus.
Einunddreißig ein. Die Geräusche, die der Hund macht, holen mich echt am besten in den Moment zurück.
Einunddreißig aus.
Zweiunddreißig ein. Mäht da eigentlich jemand den Rasen oder was ist das für ein Geräusch?
Zweiunddreißig aus.
Dreiunddreißig ein.
Dreiunddreißig aus.
Vierunddreißig ein.
Vierunddreißig aus.
Fünfunddreißig ein. Oh, was für ein lauter Vogel war das denn bitte?
Fünfunddreißig aus.
Sechsunddreißig ein. Die anderen Vögel sind mehr so Hintergrundrauschen.
Sechsunddreißig aus.
Siebenunddreißig ein.
Siebenunddreißig aus.
Achtunddreißig ein. Mein Bauch gluckert. Neben mir gluckert ein anderer Bauch.
Achtunddreißig aus.
Neununddreißig ein. Das ist gut. Das heißt, ich bin entspannt.
Neununddreißig aus.
Vierzig ein.
Vierzig aus.
Einundvierzig ein.
Einundvierzig aus.
Zweiundvierzig ein.
Zweiundvierzig aus.
Dreiundvierzig ein. Krass, das ist ja wahrscheinlich nicht mal die Hälfte. Ob schon zehn Minuten rum sind?
Dreiundvierzig aus.
Vierundvierzig ein.
Vierundvierzig aus.
Fünfundvierzig ein. Oh no, der Hund geht. War ihm wohl zu wenig Aufmerksamkeit.
Fünfundvierzig aus.
Sechsundvierzig ein.
Sechsundvierzig aus.
Siebenundvierzig ein. Wenn ich daraus echt einen Text mache, poste ich den auf dem Blog? Der wird ja wahrscheinlich zu lang für Social Media.
Siebenundvierzig aus.
Achtundvierzig ein. Ja, das mache ich.
Achtundvierzig aus.
Neunundvierzig ein.
Neunundvierzig aus.
Fünfzig ein.
Fünfzig aus.
Einundfünfzig ein. Ah, es juckt mich am Kopf.
Einundfünfzig aus.
Zweiundfünfzig ein. Nicht bewegen. Das Jucken einfach wegatmen.
Zweiundfünfzig aus.
Dreiundfünfzig ein.
Dreiundfünfzig aus.
Dreiundfünfzig ein. Nee, warte: Vierundfünfzig ein.
Vierundfünfzig aus.
Fünfundfünfzig ein.
Fünfundfünfzig aus.
Sechsundfünfzig ein. Sechsundfünfzig? Sicher? Ok, sechsundfünfzig ein. Fokus!
Sechsundfünfzig aus.
Siebenundfünfzig ein.
Siebenundfünfzig aus.
Achtundfünfzig ein.
Achtundfünfzig aus.
Neunundfünfzig ein. Gong. Ok, noch ausatmen, das zählt als Neunundfünfzig, right?
Neunundfünfzig aus.
