Ich fühle mich wieder (wie ich selbst)

Zwei Jahre Ausnahmezustand sind wahrscheinlich an niemandem spurlos vorbeigegangen. Und wie ich vor etwa einem halben Jahr schrieb, konnte ich diese Spuren ganz deutlich an meinem Körper sehen: an mehr Gewicht, an weniger Kraft, an Verletzungen, aber auch daran, dass meine Gedanken sich immer wieder mit diesem Thema beschäftigten.

Vielleicht kennst du das: Wenn der Schmerz erst groß genug ist, dann kommt der Punkt, an dem man entscheidet. Ob man sich in Akzeptanz übt für etwas, was man nicht ändern kann. Oder ob man die Dinge in die Hand nimmt und etwas verändert.

Ich habe mich in Akzeptanz geübt. Und es war für eine ganze Weile ok. Doch der Wunsch, mich wieder anders zu fühlen, besser eben, der wurde größer. Bis ich entschied, meinem Coach zu sagen: »Ich möchte wieder aussehen wie vor dem Lockdown. Wie vor meiner Verletzung.«

In meinen Augen hatten vor allem meine Arm- und Oberkörperkraft gelitten. Weil ich auch einige Übungen länger nicht hatte machen können. Doch endlich wieder gesund wollte ich auch wieder stark sein. Und so aussehen.

Jetzt habe ich vier Monate einen Plan verfolgt (und werde das auch weiterhin tun). Ich habe gezielter trainiert. Und bewusster gegessen. Und ja, ich hatte Angst davor. Denn als ich zum ersten Mal die Kalorien meiner Mahlzeit ausrechnete, war da direkt die Erinnerung an eine Zeit, in der ich zu meiner Ernährung eine eher zwanghafte Beziehung hatte. Darüber habe ich in einem meiner letzten Beiträge geschrieben.

Nach vier Monaten mit Ziel – und ohne Zwang – kann ich endlich sagen: Ich fühle mich wieder viel mehr wie ich selbst. Als hätte ich in die Ausmaße zurückgefunden, in denen ich mich spüren kann. In die ich hineingehöre. In der mein Inneres und mein Äußeres aligned sind. Wenn ich mich jetzt sehe, dann erkenne ich mich.

Meine Freundin Ina hat mich vor Kurzem fotografiert. Und sie sagte, sie wolle meinen Charakter fotografieren. Meine Seele. Und ich liebe, was sie kreiert hat. Mich durch ihre Augen zu sehen und mich zu erkennen, zu fühlen und meinen Körper wieder als Teil von mir wahrzunehmen, der es mir erlaubt, mich auszudrücken, ist ein wunderbares Gefühl.

Ich bin unfassbar dankbar für diesen Körper. Für diesen gesunden Körper. Und dass er, auch wenn wir in den letzten Monaten vielleicht uneins waren, immer wieder in der Lage ist, mich zu überraschen. Mich zu unterstützen. Mich durchs Leben zu tragen.  

Gerade heute erst hat er mich wieder überrascht: Nach nur vier Wochen, die ich nun wieder daran arbeite, einen Klimmzug zu meistern, habe ich ihn heute Morgen geschafft.

Und ja, es ist immer leichter, dankbar zu sein, wenn man zufrieden ist. Und ich habe mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt, ob es okay ist, mich darüber zu freuen, dass ich abgenommen habe. Wenn ich doch vor ein paar Monaten gesagt habe, dass es okay ist, wenn der Körper sich auch mal in eine Richtung verändert, die man so nicht geplant oder gewünscht hat. Und dass ich mich in Akzeptanz üben wollte. Und dass ich mich nicht mit meinem Körper identifizieren wollte.

Darüber habe ich mit mehreren klugen Frauen gesprochen und sie haben mir etwas mit auf den Weg gegeben: Dass ich es mir erlauben darf, zufrieden zu sein. Dass ich mir das nicht zerdenken muss. Und dass es in keinem Widerspruch zu dem steht, was ich vorher gesagt habe. Gewicht zu verlieren darf bedeuten, danach erleichtert zu sein, leichter zu sein – auch in dem, worum sich die Gedanken drehen. Und diese Leichtigkeit, die ich in meinem Körper spüre, darf meine Gedanken erreichen, beflügeln. Denn natürlich hängen Körper und Geist zusammen.

Leichtigkeit.

Ich glaube, das ist mein Wort für 2022.

Welches ist deins?

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